Pressebericht
(Die Wirtschaft 11.2005) Die Sorge der Gegner ist unbegründet - RFID ermöglicht vorerst nicht den gläsernen Kunden im Supermarkt; noch sind die Funkchips zu teuer, um sie auf diverse Produkte zu kleben. Der kassiererinnenlose Supermarkt liegt also noch in der fernen Zukunft.
Was aber heute schon geht: die Verfolgung besonders heikler Produkte wie Pharmazeutika. So bereitet in den USA die Food and Drug Administration beispielsweise gerade ein "Pedigree", einen Stammbaum, für Arzneimittel-Großchargen vor, was Medikamentenfälschungen durch die Rückverfolgbarkeit vom Chemikalienhersteller bis zur Apotheke hinhalten soll.
In Europa sind vor allem Behältermanagement-Lösungen in der Logistik gefragt. Es geht meist um Kosteneinsparungen durch weniger Personal und weniger Container/Trolleys in geschlossenen Materialkreisläufen, etwa in der Zulieferindustrie – reduziert man wie bei Magna die Umlaufzeiten von rund 2.000 verwendeten Behältertypen nur um ein Weniges, kann sich ein RFID-System innerhalb einiger Monate rechnen. Bei Miettextilien oder Firmenbekleidung wird teilweise bereits der Barcode als Markierungssystem verdrängt – auch weil die RFID-Tags mehr aushalten, gegen mechanische Abnutzung und Schmutz unempfindlicher sind. Der Einsatz entlang einer vollen Lieferkette scheitert bislang nicht nur an den Kosten, sondern auch an fehlenden Standards.
Aber auch das von Logistikern ersehnte globale Tracking & Tracing (die punktgenaue Verfolgbarkeit von Sendungen) ist noch nicht Wirklichkeit - wie Oswald Werle, Geschäftsführer der inet-logistics GmbH, zu bedenken gibt: "Kaum ein Spediteur kann gute Informationen zur Verfügung stellen – weil es die heutigen Systeme noch nicht bringen." Am Beispiel Luftfracht, angezogen vom Logistikchef des US-Konzerns General Electric: Da die Carrier auf Personen ausgerichtet seien und die Fracht nur so nebenbei mitmachten, stimmten rund 7 Prozent der Tracking & Tracing-Informationen nicht mit der Wirklichkeit überein, weil eben ein Container doch nicht auf dem Flug lande, der in Frachtpapieren und Erfassungssystemen dokumentiert sei.
